Erdgasbohrungen: Bürger und Politik stehen Seite an Seite

Auszug aus der Ausgabe: Lingener Tagespost Veröffentlicht am: 21.01.2011 pe Spelle

Einen solchen Besucherandrang wie am Donnerstagabend hat der Speller Samtgemeinderat zuvor noch nicht erlebt. Sogar die Zwischenwände zum Flur hin mussten herausgenommen werden, damit alle Bürger Platz fanden. Der Grund für das Interesse: die Erdgasbohrungen in der Gemeinde Lünne.

SPD und das Unabhängiges Bürgerforum Spelle (UBS) hatten das Thema mit ihren Anträgen auf die Tagesordnung gebracht. Vorab hatte es außerdem Gespräche zwischen der Interessengemeinschaft „Schönes Lünne“, Vertretern aus der Kommunalpolitik und der Samtgemeindeverwaltung gegeben. Es seien sehr sachbezogene und gute Gespräche gewesen, resümierte Samtgemeindebürgermeister Bernhard Hummeldorf. „Wir sind keine Gegner, sondern stehen Seite an Seite“, erklärte der Verwaltungschef.

Bohrarbeiten laufen
Seit einer Woche laufen die Bohrarbeiten von Exxon Mobil auf dem Gelände an der Varenroder Straße in Lünne, wenige Hundert Meter von der B70 entfernt. Kritisch gesehen wird ein mögliches Fracking-Verfahren, falls die Erkundungsbohrungen zeigen, dass eine Förderung von Erdgas möglich ist.

Wie Verwaltungschef Hummeldorf erläuterte, wird am 17. Februar eine Bürgerversammlung in der Gaststätte Wulfekotte stattfinden. Dort werde Exxon Mobile Stellung beziehen. Das Unternehmen habe außerdem die Gründung eines Arbeitskreises zugesagt, in dem alle beteiligten Kommunen und Bürgerinitiativen an einem Tisch säßen. Exxon bohrt derzeit nicht nur in Lünne nach Gas, sondern auch im benachbarten NRW. Ob es in Lünne zu einem Fracking-Verfahren komme, hänge vom Ergebnis der Erkundungsbohrung ab, sagte Hummeldorf. Außerdem müssten Gutachten eingeholt werden. Jegliche Gefährdung für die Bevölkerung müsse ausgeschlossen werden.

Dies unterstrichen auch Lünnes Bürgermeister Franz Schoppe und die Vertreter der Fraktionen im Samtgemeinderat in ihren Redebeiträgen. Es gelte, das Verfahren sehr kritisch zu begleiten und die berechtigten Ängste der Bevölkerung absolut ernst zu nehmen, betonte Willi Brundiers für die CDU. Er warnte gleichzeitig vor einem „parteipolitischen Hickhack“.

Eine solche Auseinandersetzung um dieses Thema habe es nicht gegeben und solle es auch in Zukunft nicht geben, plädierte Dr. Thomas Forstreuter ebenfalls für eine sachbezogene Diskussion. Forstreuter forderte die Landesregierung auf, das Bergrecht zu verändern, weil es im Zusammenhang mit den Erkundungsbohrungen nach Erdgas keine Öffentlichkeitsbeteiligung vorsieht. „Jeder Hühnerstall benötigt eine Umweltverträglichkeitsprüfung, und beim Fracking-Verfahren ist sie nicht notwendig?“, äußerte der SPD-Politiker sein Unverständnis.

Gutachten
Für UBS unterstrich Grolle die Notwendigkeit unabhängiger Gutachten, die sich kritisch mit dem Fracking-Verfahren auseinandersetzen. Notwendig sei außerdem, angesichts der Förderaktivitäten von Exxon den Blick nicht nur auf Lünne zu beschränken, sondern auch die benachbarten Kommunen mit einzubeziehen.

In der Einwohnerfragestunde äußerten mehrere Bürger ihre große Besorgnis über die Erdgasbohrungen in Lünne. Ihr Sprecher Markus Rolink unterstrich, dass die bisherige Informationspolitik von Exxon Ängste geschürt habe. Nach heutigem Stand der Technik sei die unkonventionelle Gasförderung nur durch Fracking möglich. Dies lehne die Interessengemeinschaft entschieden ab.

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